Geschichte
1810: Bau des Hauses als Frauenzuchthaus
1842: Militärverpflegungsstation
1849: Unterbringung von Militärsträflingen
1857: wieder Nutzung als Frauengefängnis
1869: Brand durch Blitzeinschlag
1875: Beendigung der Renovierung, Weiternutzung als Gefängnis
1909: Besserungsanstalt für Knaben mit Heim
1935: Auflösung des Heims
1936: Nutzung des Hauses als Jugendherberge und Treff der Hitlerjugend
1945: Das Haus bleibt unversehrt, Nutzung als Notlazarett
1950: Vorläufiges Quartier der Regierung von Unterfranken
1965-1970: Nutzung des Hauses für die Jugend, unklare Situation
1970: Die Stadt Würzburg übernimmt das “Haus der Jugend” in ihre Trägerschaft
1973: Schließung wegen Baufälligkeit
1974: Neureröffnung des “Haus der jugend” unter Ernst Olbrich
1986: Das “Haus der Jugend” muss Schließen, es folgt ein großer Umbau
Die Texte zu den Jahren 1987 bis 2006 wurden von Alexander Nickel-Hopfengart nach dem Studium unseres Pressearchivs verfasst:
1987: Das Cairo wird unter der Leitung von Thomas Federl eröffnet. Mit schickem Sphinx-Logo. Die Presse sagt: “Hier darf die Fantasie grenzenlos sein”. Da können wir eigentlich nur zustimmen. Und widmen uns selbst ein Gläschen Sekt bei unserer ersten Fotoausstellung, die innerhalb unseres Fotokurses entstanden ist…
1988: Wo sind nur all unsere Presseberichte von 1988 hingeraten? Mal abgesehen von einem Ferienkurs zum Schutz vor Vergewaltigung sind alle Aufzeichnungen verschollen. Was solls.
1989: Hilfe. Ausserirdische haben die meisten Presseberichte von 1989 assimiliert. Damit wir nicht ganz ohne dastehen, dachten wir uns kurzerhand: Warum nicht selbst welche machen? So entsteht “Wild am Werktag”. Eine “wirklich kleine Zeitung, unfreiwillig abhängig”. Der Titel bringt die Situation treffend auf dem Punkt: “Anarchy im JUKS?!” Dazu gibt es den guten alten Atari-Computer nun auch bei uns im Cairo. Darauf malen, texten und musizieren wir froh und munter drauf los. Und sogar professionell wirkende Jugendzeitungen und Filme lassen sich damit produzieren. Da wird auch den beiden neuen LeiterInnen Hans Heisinger und Conny Heiß ganz heiß, äh warm ums Herz.
1990: 1000 Tage sind wir jetzt alt. Grund zum Feiern finden wir. Dazu veranstalten wir ein Computerrätsel. Damit wollen wir zeigen, dass man Computer auch in seiner Freizeit sinnvoll nutzen kann. Wie man heute sieht, lagen wir damit gar nicht mal so falsch. Dazu veranstalten wir einen Kurs zum Schutz vor Vergewaltigung. Und Ingo Appelt besucht uns. Für zehn DM. Das waren Zeiten…
1991: Das Jugendkulturhaus versinkt im Müll. Der Grund dafür ist die Ausstellung der Fotografin Eva Bär, die im Haus “Bilder der Obdachlosenwelt” präsentiert. Abgehoben wird mit dem Arbeitskreis Flugmodellbau. Der kreiert hübsche Modellflieger und findet damit großen Zuspruch bei den jungen Bastlern. Im Rahmen der zweiten Regenwaldtage versucht man außerdem bei jungen Leuten ein Gespür für den Schutz der Wälder zu schaffen. Mit einer Ausstellung und Unterstützung von Wissenschaft und Publizisten wird dabei über die Ursachen und Folgen der Zerstörung informiert.
1992: Das Konzertangebot im Cairo wird größer. Immer wieder werden dabei die Stilgrenzen gesprengt. Yuppicide spielen eine Mischung aus Ska, Hardcore und Metal. Tumblin´ Down überführen den Blues in Richtung Rock und The Pope Machine versuchen sich gar an Funk-Rock-Ska-Reggae-Rap-Hardrock… Ähm. Ja. So waren sie halt. Die 90er.
1993: Auf dem so genannten “Kultur-Hearing” äußern die jungen Menschen ihr Verlangen nach mehr Übungsräumen gegenüber Kulturreferentin Dr. Claudia Strobel. Zudem wird ein Kurs für Frauen zum Schutz vor Vergewaltigung angeboten. Außerdem brachten wir haufenweise Räder an den Mann. Im Hof gab es nämlich einen bis dato einmaligen “Räder-Flomarkt”, wo die Drahtesel verschachert und gekauft wurden konnten.
1994: Wir laufen alle nur noch mit Masken durchs Haus. Der Grund dafür. Wir werden besprüht. Von zahllosen Sprayern im Rahmen unserer Open House Party. Sieht toll aus. Und wird auch begeistert von den jungen Leuten angenommen. Ach ja. Verhaftet wurde übrigens auch keiner…
1995: Bei den 6. Regenwaldtagen stellt sich das Cairo todesmutig den Kampf gegen den Kahlschlag. Bei der zugehörigen Veranstaltung mit dem simpel auszusprechendem Namen “Lukautim ol bus belong yumi” werden Comics von Jada/Wilson aus Paraguai ausgestellt. Dazu trommelt sich die Rhythmusgruppe “Hirschanties” die Seele aus dem Leib und versucht die Aufmerksamkeit auf die gefährlichen Auswirkungen der Regenwaldzerstörung zu lenken. Gut so!
1996: Es mal wieder einen Wechsel an der Spitze und Martin Ortner und Judith Schuler kommen als neues Scheffs ins JUKS. Die Computer werden auch immer wichtiger. Inzwischen haben wir sogar eine Online-Werkstatt, in der Jugendliche die “technischen Möglichkeiten der Bildkommunikation” ausloten. Dabei sollte man aber nicht vergessen, sich auch mal zu bewegen. Passende Gerätschaften kann man auf dem dritten Fahrrad-Flomarkt erwerben…
1997: Man, sind wir schon groß. Ganze zehn Jahre gibt es das Cairo jetzt. Und laut Presse haben wir in der Zeit viele “schlummernde Talente” noch größer heraus gebracht als uns selbst. Das freut uns natürlich sehr. Zum Jubiläum lassen wir deshalb gleich mal ne richtig dicke Party steigen. Ohne Luftballons, dafür mit Straßenmusik, Jongleuren, Clowns, Percussion-Gruppen und Theater. Toll war das… Also lasst uns mal kurz inne halten und anstoßen: Auf die nächsten zehn…
1998: Hui. Wir werden digital. Wir haben nämlich ganz tolle, neue Computer bekommen. Vom noch tolleren “Club-Kiwanis”. Und sogar einen Scanner dazu. Dem Aufbruch in ein neues Zeitalter steht also nichts mehr im Weg. Und was hören wir da? Ihr meint das war der erste Schritt in die totale Überwachung. Also wirklich. So etwas gibt es doch nur in Science-Fiction Filmen. Oder bei Romeo und Julia. Und die haben es ja trotzdem geschafft die Obrigkeit zu überlisten. In gewisser Weise zumindest. Deswegen haben wir das Stück auch gleich im Rahmen des Kultursommers aufgeführt. Zusammen mit “Softies Welt”. Allerdings haben wir jetzt immer noch ein bisschen Schiss, dass uns wegen der Namensrechte jemand verklagt. Oder zumindest Grippebakterien ins Haus schläust.
1999: “Klappe, die 99te”. Und Schnitt. Wir im Cairo drehen einen Film. “Spessarthannes” heißt er. Und Jungregisseur Christian Wreba nennt ihn den “feudalsten Ritterfilm der Welt”. Kurz darauf kommt dann zwar nicht das Kino, aber das Fernsehen bei uns vorbei. RTL dreht nämlich ein Special über die Boygroup “Nation 4”. Und findets gar nicht so toll, dass wir keinen Aufzug haben… Vielleicht lag es ja an der schlechten Laune der Mitarbeiter, dass es für die Band zum großen Erfolg dann doch nicht gereicht hat. Ich meine. Woran auch sonst?
2000: 2000 müssen wir alle weinen. Nicht weil wir traurig wären, sondern weil ein Idiot Tränengas bei uns versprüht. Zu allem Überfluss entkommt er uns dann auch noch. Den Spaß lassen wir uns trotzdem nicht verderben. Und sind sogar so fröhlich, dass wir uns entschließen, den Kindern beizubringen, wie man eigene Trickfilme dreht…
2001. Ab Herbst übernimmt Fördervereinsmitglied Steffen Deeg zusammen mit Nadine Antler und Ingolf Rein vorüber gehend die Leitung des Cafe Cairos. Im September findet am Tag des offenen Denkmals eine Führung durch das Haus statt. Die Bildhauergruppe des Jugendkulturhauses holt zudem ihren selbstgeschnitzten “Totempfahl” aus Ochsenfurt auf den Mainwiesen nach Würzburg. Außerdem schreibt die Boy-Group “Nation 4”, die einmal pro Woche im Haus probt, einen Song für die Würzburger Basketballer “X-Rays”.
2002: 2002 ist es an der Zeit auf die Barrikaden zu gehen. Es soll nämlich eingespart werden in Würzburg. Und das auch noch bei uns. Also stürmen wir das Rathaus und lassen die Revolutionäre raushängen. Hat dann auch geholfen. Zumindest halbwegs. Die Band Electric Club feiert unbeeindruckt davon eine berauschende Release Party im Haus. Und ein schicker Diplomfilm wird auch noch über uns gedreht. Ist das nicht toll?! Dazu gibt es den ersten Kunstfrühling, bei welchem Fotografen, Regisseure, Maler und Schreiber ihre Arbeiten präsentieren. Apropos Kunst. Eine “Kunstschnee” -Ausstellung gab es auch noch (und nein, das hatte nichts mit dem weißen Pulver zu tun, dass man immer an Geldscheinen findet). Mit über 100 ausgestellten Werken. Man, da fühlten wir uns gleich so was von arty..
2003: “Ich bin bereit gib mir Korn und Sprite”. Die Hamburger Band Tomte kommt zu uns und versprüht Charme und Slogans. Und auch sonst gibt es haufenweise gute Musik. Zum Beispiel beim 3. Musikbahnhoffestival. Da spielen unter anderem die leider aufgelösten Melancholiker von “twaii” und viele andere tolle Acts. Dazu gibt es eine rege Diskussion darüber, ob bei uns im Haus bald eine Ganztagsbetreuung eingeführt wird. Ist aber am Ende dann leider nichts geworden. Schade eigentlich.
2004: Weil wir es beim ersten mal so supertoll fanden, machen wir gleich noch einmal eine “Electric Club”-Release Party. Das geht natürlich, wie 2004, mit Protestmärschen einher. Unserem allerliebsten B-Hof droht nämlich die Schließung. Das finden wir gar nicht gut und stürmen innerhalb einer Nacktdemo das Rathaus. OK. Das war übertrieben. Aber der B-Hof blieb trotzdem offen. Und wir waren glücklich. Genau wie die Affen im Zoo von Würzburg (der sicher noch irgendwann gebaut wird). Die freuten sich nämlich über die Bananafishbones. Und über den Sonnenschein. Also besser gesagt über die Familie Sonnenschein. Das war ein Film. Besser eine Metzgereiwerbung. Noch besser ein Metzgereitrickfilm des Nikolaushauses, bei dem Wurstfiguren ein Picknick machen. Der war übrigens so toll, dass er den Bayrischen Jugendfilmpreis gewinnt. Hach. Das waren noch Zeiten. Früher…
2005: Weil es uns im Cairo so langweilig war, haben wir kurzerhand ein eigenes Zeltlager veranstaltet. So mit riesigem Zirkuszelt und Bands. Auf der Bastion. Da wurde dann auch noch gelesen und theatert. Und alle fanden es lustig. Genau wie die Klinik-Clowns. Nette ehrenamtliche Menschen mit großen roten Nasen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, krebskranke Kinder im Krankenhaus mit ihrer Anwesenheit zu erfreuen. Das macht uns und die Kinder glücklich. So sehr, dass wir gleich einen Klinik Clowns. e.V. gründen.
2006: Unser Open Air Festival wird wegen dem Heulsusen-Himmel ins Cairo verlegt. War aber trotzdem lustig. Genau wie die Ansichtssache. Da hetzten wir ambitionierte Jungfotografen mit analogen Kameras durchs schöne Würzburg und ließen sie bestimmte Themengebiete fotografieren, die wir dann am U&D ausstellten. Kurz darauf werden wir geweiht. Besser gesagt der Franz Joseph Platz, was uns ein schickes Gedenkschild einbringt. Daran stechen sich nicht einmal die Kaktussen. Die gewinnen zusammen mit dem Rapper Mistaa den 2. Preis für junge Kultur im Haus und bitten sogar Oberbürgermeisterin Pia Beckmann auf die Bühne zum Spielen. Das war lustig. Zumindest für uns…
2007: Im Jahr 2007 feiern wir im Hof unseren 20ten Geburtstag mit Mediengruppe Telekommander, das Improfestival wird 6 Jahre alt und einige Veranstaltungen des Filmwochenendes finden im Cairo statt. Die Zahl der Veranstaltungen steigt sprunghaft an, waren es 2006 noch etwas mehr als 100 fanden 2007 169 Veranstaltungen im Haus statt.
2008: seit dem Jahr 2008 gibt es einen schicken Bericht, nachzulesen ist dieser Jahresbericht 2008 hier.
2009: hier der Link zu unserem Jahresbericht 2009 für die Browseransicht oder zum Download in Druckqualität.





