Ganes “rai de sorëdl” - Die guten Geister vom Weltbach
“Ganes” sind in der alpenländischen Mythologie, der südtiroler Heimat der drei Sängerinnen, Wassernixen oder Feen. Heilige Wesen, die auch so singen und in der Nähe von Quellen und Bächen anzutreffen sind.
Maria Moling, Marlene und Elisabeth Schuen wissen um die Legenden von den Aguanes oder Ganes seit Kindertagen. Rund zweihundert Höhenmeter, jedoch unweit voneinander entfernt sind die drei aufgewachsen. Wie die Region, aus der die drei Musikerinnen stammen, prägen Lieblichkeit und Romantisierung nur den ersten Eindruck beim Hören. Aber so bedrohlich wie die Kreuzkofelgruppe über ihrem Heimatdorf La Val herrscht, begegnen einem die feinen Tiefen dieser Lieder freilich nicht. Diese Songs haben nichts Bedrohliches, nichts Einschüchterndes. Höchstens die Erinnerung an ewige Sanftheit und an das Gefühl, sich durch gefahrenlose Arkadien zu bewegen, die einen beim ersten Hören beschleicht, könnte all die Feinheiten, mit denen hier Emotionen ausgelotet werden, mit der von den ewigen Geschichten von Liebe und Verlust berichtet wird, verschleiern. Die falsche Fährte in eine reine Schönheit, legt ein fein arrangierter, manchmal liebreizend, manchmal nachdenklicher, niemals aufdringlicher Wohlklang, der vor allem durch die Sprache dieser Lieder provoziert ist.
Gesungen wird Ladinisch. Und wer hört, wie sich hier - in Solo-Strophen ebenso wie in einem betörenden, dreistimmigen Harmoniegesang - diese romanische Sprache in Rhythmus und Melodie fügt, wie sie wellt in weichen Vokalen und kurzen, niemals scharfen Konsonanten, muss sich wundern, warum Maria Moling und Marlene und Elisabeth Schuen die vielleicht ersten Musikerinnen sind, die aus der Wärme ihrer Heimatsprache einfühlsam einnehmend Popmusik schaffen.
Wer in den vergangenen Jahren Hubert von Goisern auf CD oder auf Tournee begegnete, konnte schon erleben, wie einnehmend der Klang des Ladinischen funktioniert. Marlene Schuen spielt seit 2002 in der Goisern-Band - als Geigerin und Sängerin. Maria Moling, Jüngste des Trios, und Elisabeth Schuen stießen für Hubert von Goiserns LinzEuropaTournee als Backgroundsängerinnen dazu. Moling spielte dabei auch Percussion. Elisabeth Schuen, ausgebildete Opersängerin, spielt wie ihre Schwerster Marlene in der Goisern-Band auch Geige.